Bezeichnungs-vorschriften

Bezeichnungsvorschriften

Die korrekten und verbindlichen Bezeichnungsvorschriften für Leder und verschiedene Lederarten sind zum Schutz der Verbraucher vor irreführender Werbung in nachfolgenden Regelwerken festgelegt.

 

I. Abgrenzung des Begriffes Leder gegenüber anderen Materialien – RAL 060 A 2

Welches Material grundlegend als Leder bezeichnet werden darf, definiert die Bezeichnungsvorschrift RAL 060 A2-Abgrenzung des Begriffs Leder gegenüber anderen Materialien (letzte Ausgabe: März 2012). Hier auszugsweise die wichtigsten Bestimmungen:

1 Zweck und Geltungsbereich der RAL Vereinbarung

Die Begriffsabgrenzung dient dem Zwecke, einerseits für Erzeugnisse aus Leder und andererseits für Erzeugnisse aus anderen Materialien, die in Beschaffenheit, Struktur, Oberfläche, Aussehen oder in anderen Eigenschaften lederähnlich sind, Bezeichnungen zu ermöglichen, die durch Wahrheit und Klarheit jede Gefahr von Missverständnis und Irreführung in Käuferkreisen ausschließen. Sie gilt daher als Grundregel für die nachstehend behandelten Bezeichnungen, soweit ihnen die Gefahr innewohnt, dass ein nicht unerheblicher Teil der in Betracht kommenden Verkehrskreise über die Identität oder die Eigenschaften des verarbeiteten Materials getäuscht werden könnte.

2 Leder

Als Leder, Echt Leder oder mit einem Ausdruck, der nach der Verkehrsauffassung auf Leder oder auf eine Lederart (Rindbox, Nappa, Nubuk, Saffian, usw.) hinweist, darf beim Angebot oder Verkauf nur ein Material bezeichnet werden, das aus der ungespaltenen oder gespaltenen tierischen Haut bzw. dem Fell durch Gerben unter Erhaltung der gewachsenen Fasern in ihrer natürlichen Verflechtung hergestellt ist. Bei Leder mit einem Oberflächenüberzug beispielsweise aus Kunststoff, Folie oder Lack darf die aufgebrachte Schicht nicht stärker als 0,15 mm sein. Bei stärkerer Zurichtung oder Beschichtung gelten die Bezeichnungsvorschriften unter Abschnitt 4.

3 Andere Materialien

Wortverbindungen mit dem Begriff Leder oder mit Ausdrücken, die nach der Verkehrsauffassung auf Leder oder eine Lederart hinweisen, sind für lederähnliche Materialien, die nicht aus gewachsener tierischer Haut bzw. Fell hergestellt sind, unzulässig (z. B. „Textil-Leder“, „Recycling-Leder“, „PU-Leder“). Das gilt auch für Materialien, bei denen das gegerbte Fell oder die gegerbte Haut mechanisch und/oder chemisch zu Faserpartikeln, kleinen Stückchen oder Pulver abgebaut und dann mit oder ohne Bindemittel zu Flächengebilden oder zu anderen Formen verarbeitet wurde Wortverbindungen mit dem Begriff Leder sind nur für die handelsüblichen Bezeichnungen Lederfaserstoff oder Kunstleder zulässig.

4 Beschichtetes Leder

Bei Leder oder Spaltleder, bei dem der auf die Außenseite aufgebrachte Oberflächenüberzug ein Drittel der Gesamtdicke des Produkts nicht überschreitet, jedoch eine Dicke von mehr als 0,15 mm hat, ist die Bezeichnung „Beschichtetes Leder“ anzuwenden. An Stelle dieser Bezeichnung kann auch der Begriff ,,Lackleder” verwendet werden, wenn es sich um ein Leder mit spiegelähnlicher Oberfläche handelt. Der Oberflächenüberzug darf ebenfalls ein Drittel der Gesamtdicke nicht überschreiten.

5 Leder im Materialverbund

Ist Leder durch Kleben, Nähen o. a. fest mit einer Schicht aus einem Nichtledermaterial (z. B. Kunststoff, Textil) verbunden, darf der Verbund nur als Leder bezeichnet werden, wenn die für den Gebrauch wesentlichen Oberflächen aus Leder bestehen und der Anteil des Leders an der Gesamtstärke mindestens 80 % beträgt. Ansonsten sind beide Materialien zu bezeichnen (z. B. Uhrarmband: Außenseite Leder/Innenseite Kunststoff oder Gürtel: Außenseite Leder/Innenseite Textil). Diese 80%-Regelung gilt nicht für auf der Rückseite unsichtbar z. B mit PUR-Schaumstoff kaschierte Erzeugnisse wie fertige Autositze oder Polstermöbel, wenn die sichtbare Seite aus Leder besteht und das Leder eine für die Anwendung übliche Dicke besitzt.

6 Erzeugnisse aus Leder und anderen Materialien

Besteht ein Gegenstand nur zum Teil aus Leder, sind Wortverbindungen mit Leder zur Bezeichnung des Produktes nur erlaubt, wenn Leder den überwiegenden und für die Gebrauchseigenschaften wichtigsten Bestandteil darstellt. Ist dies nicht der Fall, sind die anderen Materialien ebenfalls zu bezeichnen. Auf keinen Fall darf der Eindruck erweckt werden, dass sämtliche Teile aus Leder sind. Beispiele für korrekte Bezeichnungen bei Kombination von Leder mit anderen Materialien: Ledersofa – Rücken- und Seitenteile aus Kunstleder; Ledersattel mit Kunststoffeinsätzen; Kunststoffetui mit Lederdekor.

 

II. Bezeichnungsvorschriften und Gütebestimmungen zur Abgrenzung der  Qualitätsklassen von Polsterledern im Möbelbereich – RAL 061 A 1

Präambel

In Ergänzung und Anlehnung an die DIN EN 13336 (Leder– Richtwerte für Möbelleder) und die DIN EN 15987 (Leder – Hauptdefinition für den Lederhandel) soll die Einführung einer neuen Lederklasse „Anilinleder veredelt (gebrauchsoptimiert)“ den geänderten Anforderungen und Wünschen der Verbraucher gerecht werden. Mit der zwischen den klassischen Qualitätsstufen Anilin- und Semianilinleder angesiedelten neuen Lederklasse für Polsterleder im Möbelbereich soll bei Gewährleistung der hohen ästhetischen Eigenschaften klassischer Anilinleder, wie Weichheit und Griff, eine wesentliche Verbesserung der Gebrauchseigenschaften von Anilinledern erzielt werden, was durch die ergänzende Bezeichnung „veredelt“ verdeutlicht wird.

1 Zweck und Geltungsbereich

Diese Bezeichnungsvorschriften und Gütebestimmungen gelten für die eindeutige Begriffsabgrenzung von Polsterledern im Möbelbereich und den daraus gefertigten Erzeugnissen, die in Qualität, Beschaffenheit, Struktur und Oberfläche variieren, verbindlicheBezeichnungen zu ermöglichen, die durch Klarheit jede Gefahr von Missverständnissen und Irreführungen für Verbraucher und in allen betroffenen Kreisen, wie Lederhersteller, Polstermöbelhersteller, Handel oder Prüfinstitute ausschließen und den heutigen Anforderungen des Marktes entsprechen.

2 Begriffe

Für die Anwendung dieser Bezeichnungsvorschrift gelten die folgenden Begriffe.

2.1 Leder

Als Leder, Echt Leder oder mit einem Ausdruck, der nach der Verkehrsauffassung auf Leder oder auf eine Lederart (Rindbox, Nappa, Nubuk, Saffian usw.) hinweist, darf beim Angebot oder Verkauf nur ein Material bezeichnet werden, das aus der ungespaltenen oder gespaltenen tierischen Haut bzw. dem Fell durch Gerben unter Erhaltung der gewachsenen Fasern in ihrer natürlichen Verflechtung hergestellt ist. Bei Leder mit einem Oberflächenüberzug beispielsweise aus Kunststoff, Folie oder Lack darf die aufgebrachte Schicht nicht stärker als 0,15 mm sein. Weiterhin gelten die Definitionen der DIN EN 15987 (Ausgabe 2015-07).

2.2 Narben

Außenseite des Leders nach Entfernen von Haaren oder Wolle und Epidermis, welche durch eine für die jeweilige Tierart spezifische Haarporenstruktur charakterisiert ist.

3 Zurichtungsbezogene Qualitätsklassenfür Polsterleder im Möbelbereich

3.1 Anilinleder (naturbelassen)

Leder, dessen natürlicher Narben deutlich und vollständig sichtbar ist, wobei die Zurichtungsdicke eines jeglichen Oberflächenüberzuges mit einer unpigmentierten Zurichtung kleiner oder gleich 0,01 mm ist.

3.2 Anilinleder veredelt (gebrauchsoptimiert)

Leder, das mit einer Zurichtung versehen wurde, die minimale Mengen an Pigmenten zur Farbegalisierung enthält, dessen natürlicher Narben noch deutlich sichtbar ist und bei dem die Haarkanäle nicht vollständig mit der Zurichtung verschlossen sind. Die Dicke des Oberflächenüberzugs darf 0,01 mm nicht überschreiten.

3.3 Semianilinleder

Leder, das mit einer Zurichtung versehen wurde, die Pigmente in einer so geringen Menge enthält, dass dessen natürlicher Narben noch deutlich sichtbar ist.

3.4 Pigmentiertes Leder

Leder, dessen natürlicher Narben oder Oberfläche vollständig mit einer Pigmente enthaltenen Zurichtungbedeckt ist.

4 Anforderungswerte

Anforderungs- werte¹ Anilinleder (naturbelassen) Anilinleder veredelt (gebrauchsoptimiert) Semianilinleder Pigmentiertes Leder
Reibechtheit²
-Filz trocken
-Filz nass
-Filz Schweiß
50 Zyklen≥Stufe 3
40 Zyklen≥Stufe 3
30 Zyklen≥Stufe 3
100 Zyklen≥Stufe 3
40 Zyklen≥Stufe 3
30 Zyklen≥Stufe 3
500 Zyklen≥Stufe 4
80 Zyklen≥Stufe 3-4
50 Zyklen≥Stufe 3-4
500 Zyklen≥Stufe 4
250 Zyklen≥Stu.3-4
80 Zyklen≥Stufe 3-4
Lichtechtheit ≥ Stufe 3 ≥ Stufe 3 ≥ Stufe 4 ≥ Stufe 5
Dauerfaltverhalten³ ≥ 20.000 Faltungen ≥ 20.000 Faltungen ≥ 50.000 Faltungen ≥ 50.000 Faltungen
Weiterreißfestigkeit ≥ 20 N ≥ 20 N ≥ 20 N ≥ 20 N

¹Prüfungen nach den geltenden DIN EN ISO-Vorschriften: DIN EN ISO 11640, DIN EN ISO 105-BO2, DIN EN ISO 5402-1, DIN EN ISO 3377-1

²Farbe schwarz ≥ Stufe 2 bei Anilinleder (naturbelassen)

³Keine Risse in der Zurichtung

 

Für Schuherzeugnisse gelten die Begriffsbestimmungen der Bedarfsgegenstände-Verordnung.

Weitere grundlegende Lederbegriffe legen die folgenden Normen, die beim Handel mit Leder verwendet werden, fest.

DIN EN 15987:2015  Leder-Terminologien-Hauptdefinitionen für den Lederhandel

DIN 68871:2001  Möbel-Bezeichnungen, Kapitel 5 Möbelleder

Alleinverkauf der RAL und der Normen durch: Beuth Verlag GmbH, Burggrabenstraße 6, 10787 Berlin, +49 30 2601-0, info@beuth.de, www.beuth.de.