Das FILK trauert um seinen ehemaligen Direktor Professor Günter Reich, der im Alter von 98 Jahren verstorben ist. Die internationale Lederbranche verliert damit einen herausragenden Wissenschaftler und eine Persönlichkeit, die die Entwicklung des Instituts über Jahrzehnte entscheidend geprägt hat.

Günter Reich wurde am 21. Februar 1928 in Niederwiesa, Sachsen, geboren. Nach einer Ausbildung zum Gerber studierte er Chemie an der TU Dresden, wo ihn die Vorlesungen von Professor Fritz Stather zur Gerbchemie nachhaltig beeinflussten.

1956 wechselte Reich an das Deutsche Lederinstitut in Freiberg. 1967 übernahm er dessen Leitung. Unter seiner Führung wurden neben Gerbchemie und Ledertechnologie auch Kollagen, synthetische Gerbstoffe und moderne Kunstleder zu wichtigen Forschungsfeldern.

Reich pflegte über Jahrzehnte ein großes internationales Netzwerk und war unter anderem mit IULTCS, VGCT und UNIDO verbunden. Dieses Netzwerk erwies sich besonders während der deutschen Wiedervereinigung als wertvoll. Nach dem Zusammenbruch der ostdeutschen Industrie verlor das Institut viele Kunden und geriet wirtschaftlich unter Druck. Reich setzte sich maßgeblich dafür ein, die Zukunft des Instituts zu sichern.

Zum Jahreswechsel 1992/1993 übergab er die Leitung an seinen langjährigen Kollegen Professor Dr. Michael Stoll. Auch nach seiner Pensionierung blieb er dem FILK eng verbunden.

Sein wissenschaftliches Lebenswerk umfasst rund 200 Publikationen, acht Monografien und 52 Patente. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählt „Vom Kollagen zum Leder – Die theoretischen Grundlagen“, das bis heute als bedeutendes Fachwerk gilt.

Für seine Leistungen erhielt Reich zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Stiasny-Medaille der VGCT und 2013 den IULTCS Merit Award.

Mit Professor Günter Reich verliert die Lederbranche einen herausragenden Wissenschaftler, der Forschung, Industrie und internationale Zusammenarbeit über Jahrzehnte entscheidend geprägt hat.